Bei aller Vorfreude auf Odin Sphere und damit auch auf das für mich wohl erste 2D-Spiel auf einer Heimkonsole seit den ehrwürdigen Tagen des SNES hätte ich trotzdem beinahe auf den Kauf verzichtet. Wie schon lange vor der europäischen Markteinführung auf amerikanischen Blogs zu lesen war, leidet Odin Sphere nämlich unter einem Einbruch der Framerate, der vor allem dann sehr häufig auftritt, wenn sich sehr viele Gegner auf dem Bildschirm befinden. Ob das nun an einer nachlässigen Code-Optimierung liegt, oder die PS2 vielleicht wirklich schon etwas zu schwach ist, um ein zeitgemäßes 2D-Spiel zu rendern, werden wir wohl nie erfahren. Jedenfalls habe ich das Spiel meinen anfänglichen Bedenken zum Trotz, und obwohl ich auf derartige Fehler in Spielen ziemlich allergisch reagiere, dann doch gekauft. Ob ich es bereut habe? Dazu gleich mehr.
Setting
Odin Sphere ist ein japanische RPG und spielt in einer nordisch angehauchten Welt namens Erion. Im Laufe des Spiels schlüpft der Spieler der Reihe nach in die Rolle von fünf verschiedenen Charakteren. Anders als in den meisten RPGs sind diese Charaktere aber auf sich allein gestellt und stehen sich oft genug auch feindlich gegenüber. Einen besonderen Reiz erhält das Spiel dadurch, dass die Story nicht kontinuierlich, sondern in Episoden erzählt wird. So spielt die Geschichte eines jeden Charakters in etwa zur selben Zeit und mit jedem neuen Charakter werden weitere Aspekte der Story enthüllt. Jeder Charakter besitzt so seine eigene Geschichte, die im Hauptmenü des Spiels als Buch dargestellt wird und jederzeit wieder gespielt werden kann.
Gameplay
Die Geschichte jedes Charakters ist in jeweils 6 Kapitel plus Epilog und Prolog unterteilt. Während das erste Kapitel nur die Story in Form von sehr hübsch gemachten 2D-Animationen erzählt, muss ab dem zweiten Kapitel in jeweils eine Karte mit Gegnern leergeräumt und anschließend ein Endgegner bezwungen werden. Jede Karte besteht aus miteinander über unterschiedliche Wege verbundenen Levels. Die Levels selbst sind zweidimensional und kreisförmig aufgebaut, so dass man, wenn man stur in eine Richtung läuft irgendwann wieder an seinem Ausgangspunkt ankommt. Um ein Level zu bestehen, müssen alle Gegner darin mithilfe nur eines einzigen Angriffs-Buttons in guter alter Beat'em Up-Manier besiegt werden. Erst wenn alle Gegner besiegt wurden kann es verlassen und in ein anderes Level gewechselt werden. Stirbt man dagegen, so beginnt man das Level noch einmal, bis man alle Gegner besiegt hat oder entnerft den Controller in die Ecke wirft.
Letzteres kann durchaus passieren, hat dieses Spiel doch einen Schwierigkeitsgrad, den man nicht unterschätzen sollte. Ursprünglich habe ich dieses Spiel in der Schwierigkeitsstufe Normal begonnen. Nachdem ich schon im zweiten oder dritten Kapitel unzählige Tode gestorben bin und keine Lust mehr hatte, dieselben Levels immer und immer wieder zu versuchen habe ich das Spiel dann kurzerhand in der Schwierigkeitsstufe Easy, in der ich es dann auch durchgespielt habe, noch einmal von vorne begonnen.
Hat man ein Level geschafft, so bewertet das Spiel wie gut man gekämpft hat und benotet die Leistung des Spielers. Anschließend erhält man in jedem Level eine Truhe mit oftmals nützlichen Items als Belohnung. Allerdings hängen die Anzahl un der Wert der Items von Schnelligkeit mit der man alle Gegner niedergemacht hat und dem Schaden, den man dabei einstecken musste ab. Auch bei nur mäßigem Erfolg muss man hier aber nicht verzagen, kann man doch die vorhergehenden Kapitel anschließend so oft man möchte wieder besuchen und so den Feinden in früheren Kapiteln mit besserer Ausrüstung und stärkerem Charakter ordentlich einheizen und einige gute Items abstauben.
Eine interessante Besonderheit an Odin Sphere ist die Charakterentwicklung. Anders als in den meisten RPGs üblich bekommt man hier keine Erfahrungspunkte für das Besiegen der Gegner, mit denen man dann sämtliche Aspekte der Charaktere weiterentwickeln könnte. Stattdessen gibt es zwei nur zwei Aspekte eines Charakters, die sich entwickeln lassen. Dies sind zum einen, wie sollte es auch anders sein, die Lebenspunkte und zum anderen die Stärke der Waffe des jeweiligen Charakters (jeder Charakter hat eine feste Waffe, die nicht gegen eine andere ausgetauscht werden kann). Zwar muss man in beiden Fällen ebenfalls Gegner besiegen, allerdings ist es damit noch nicht getan. Immer wenn ein Gegner besiegt wird, entschwindet seine Lebenskraft in Form kleiner Energiekugeln, sogenannter Phosonen. Diese Phosonen kann man von seiner Waffe absorbieren lassen, indem man R1 gedrückt hält. Sind noch Gegner am Leben, so ist man diesen währenddessen ziemlich ausgeliefert. Wartet man dagegen zulange, so sind viele Phosonen schon davongeflogen und somit verloren. Hat man genug Phosonen eingesammelt, so steigt der Level der Waffe an. Erreicht die Waffe einen entsprechenden Level, so kann man auch Magie einsetzen und z.B. einen Wirbelsturm auf seine Gegner ansetzen.
Die Steigerung der Lebenspunkte ist ein wenig komplizierter. Hierzu ist es notwendig vorher Samen einzusammen. Diese kann man dann vor und während eines Kampfes in die Erde einpflanzen. Sobald Phosonen freigesetzt werden, absorbieren die Samen diese und wachsen zu bei einem entsprechenden Phosonenangebot zu prächtigen Pflanzen heran und man muss ihre Früchte nur noch ernten. Früchte füllen zum einen die Lebenspunkte wieder auf, bringen aber auch Erfahrungspunkte. Sammelt man durch den Verzehr von Früchten genug Erfahrungspunkte, so steigt der LP-Level und mit ihm die maximalen Lebenspunkte. Hat man eine bestimmte Stufe erreicht, so wird das Leveln mit Früchten immer langwieriger. Dann empfiehlt es sich das Restaurant und das Cafe im Pookadorf aufzusuchen. Dort kann man sich gegen Geld und gewisse Zutaten hochwertigere Nahrungsmittel zubereiten lassen, die wesentlich mehr Erfahrungspunkte bringen. Zudem haben diese Nahrungsmittel den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Früchten nicht nur den Erfahrungspunkte bringen, sondern auch direkt durch den Verzehr die maximalen Lebenspunkte um eine gewisse Zahl steigern. Allerdings muss man dazu erst einmal die nötigen Zutaten zusammentragen, weshalb es oft nötig ist, frühere Kapitel noch einmal zu spielen. Glücklicherweise kann man ein Kapitel aber jederzeit mit den bis dahin eingesammelten Items verlassen, so dass man nicht ein ganzes Kapitel durchspielen muss, nur um eine einzige Zutat zu beschaffen.
Die Charakterentwicklung ist interessant umgesetzt und hebt Odin Sphere von anderen RPGs ab. Leider wirken aber gerade die Levels und die zu bereisenden Gebiete oftmals sehr eintönig. Dies kommt daher, dass man praktisch jedes Gebiet mit jedem Charakter einmal bereist. Und obwohl die Story und das Setting dabei jedesmal grundverschieden und die Gebiete an sich sehr gut gemacht sind, kann dies doch nicht über einen gewissen und mit steigender Spielzeit zunehmenden Déjà-vu-Effekt hinwegtäuschen. Als besonders störend habe ich es debei empfunden, dass manche Bosse, wie etwa die Königin der Unterwelt mit beinahe jedem Charakter einmal bezwungen werden müssen. Zwar ist dies zum Teil auch der episodenartigen Erzählweise der Story geschuldet, dennoch hätten sich die Entwickler hier durchaus etwas einfallen lassen können, um dieser oftmals aufkommenden Eintönigkeit entgegen zu wirken und etwas mehr Abwechslung ins Spiel zu bringen.
Musik und Präsentation
Die Charaktere wirken am Anfang übertrieben groß, mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. An der Präsentation des Spiels gibt es an sonsten überhaupt nichts auszusetzen. Die Grafiker von Atlus haben sich einige Mühe gegeben, um wunderschöne handgezeichnete Grafiken auf den Bildschirm zu zaubern, wie man sie schon lange nicht mehr in einem Spiel bestaunen durfte. Da bleiben keine Wünsche offen und man kann lediglich hoffen, dass irgendwann eine Fortsetzung für eine HD-Konsole erscheint.
Auf der Packung wird damit geworben, dass die Musik vom selben Komponisten stammt wie die von Final Fantasy XII. Tatsächlich ist die Musik sehr gelungen, allerdings mangelt es letztlich doch wie schon beim Gameplay etwas an Abwechslung. Zwar hatte ich die Musik auch nach über 40 Stunden Spielzeit nie wirklich satt, aber noch ein paar zusätzliche Stücke hätten dem Spiel sicher gut getan.
Slowdowns
Obwohl ich dieses Spiel wegen der häufig vorkommenden Verlangsamungen im Spielgeschehen erst nicht kaufen wollte, hat sich meine anfängliche Skepsis letztlich als größtenteils unbegründet herausgestellt und ich bin sehr froh, dass ich dieses Spiel trotzdem gekauft habe. Tatsächlich habe ich die Slowdowns die ersten 15 bis 20 Stunden überhaupt nicht bemerkt. Erst dann habe ich mich wieder an die Berichte von diesem Problem erinnert und genauer darauf geachtet. Und sogar dann hatte ich noch Mühe sie zu bemerken, da ich das ganze ursprünglich eher für einen absichtliche, stilisierenden Effekt gehalte hatte. Mittlerweile fallen mir die Slowdowns etwas mehr auf, allerdings empfinde ich sie immer noch nicht als besonders störend.
Fazit
Odin Sphere ist ein grundsolides Spiel mit ein paar kleineren Schwächen. Die sehr gelungene 2D-Grafik und die eher ungewöhnliche episodenartige Erzählweise machen Odin Sphere zu einem der letzten großen Spiele für die PS2. Gerade wer mit den beiden Genres Beat'em up und RPG etwas anfangen kann, sollte hier unbedingt zuschlagen.




Also mit der PS2 kannst du nicht viel falsch machen. Und gebraucht dürftest du sie mittlerweile fast geschenkt bekommen. Außerdem bekommst du auf keiner Plattform so viele gute Spiele für so wenig Geld.
Mich hat das Spiel übrigens Tage nach dem Release gerade mal 30 Euro gekostet. Nicht schlecht für ein neues Release wie ich finde