Microsoft hat seit Einführung der ersten XBox einiges getan, um seine Spiele- und Unterhaltungsplattform in die Wohnzimmer der Welt zu bringen. Diese Woche hat Microsoft nun offiziell zugegeben, den PC durch verzögerte Releases als Spieleplattform zu benachteiligen. Speziell in Deutschland will man dadurch die Verkaufszahlen der XBox 360 steigern, die sich trotz der wesentlich früheren Markteinführung lange nicht so gut gegen Sonys Playstation 3 behaupten kann, wie man sich bei Microsoft wohl erhofft hatte. Aber tut Microsoft sich mit dieser Vorgehensweise wirklich einen Gefallen?Seit dem Anfang bis Mitte der 90er mit dem Amiga die Ära der Homecomputer zu Ende gegangen ist dominiert Microsoft mit seinem DOS und später mit DirectX die einzig wirklich relevante Spieleplattform für PCs. Daneben gibt es nur noch den Mac, der nur sporadisch mit neuen Spielereleases versorgt wird und das noch wesentlich seltener mit großen Neuerscheinungen gesegnete Linux. Beide Betriebssysteme können höchstens einen Gelegenheitsspieler zufrieden stellen. Will man den heimischen Computer wirklich ernsthaft als Spieleplattform nutzen, führt schon seit bald 15 Jahren kein Weg an einem Betriebssystem aus dem Hause Microsoft vorbei. Und auch auf absehbare Zeit dürften weder Mac OS noch Linux dem Konzern aus Redmond in diesem Bereich gefährlich werden.
Indem Microsoft bisherige PC-Spieler nun aber dazu nötigt sich die Anschaffung einer Konsole (bei vielen vielleicht sogar das erste Mal) zu überlegen treibt es sie einen einen Markt, in dem ein wesentlich stärkerer Wettbewerb herrscht. Gibt es im von Microsoft kontrollierten Betriebssystem-Markt nur eine einzige relevante Spieleplattform, so konkurrieren im Konsolenmarkt gleich drei Plattformen, die um die Gunst der Spieler kämpfen. Selbst wenn es Microsoft dabei vorerst gelingt den PC-Spielern den Kauf einer XBox 360 schmackhaft zu machen, so ist damit nicht gesagt, dass sich diese Spieler nicht zusätzlich noch eine der Konkurrenzkonzolen von Sony oder Nintendo ins Haus holen.
Viel schwerwiegender als die Tatsache, dass Microsoft den Konsolenmarkt anders als den Markt für Betriebssysteme nicht dominiert, dürfte aber der bei Konsolen ca. alle fünf Jahre stattfindende Generationswechsel sein. Ist der PC eine Plattform, die sich evolutionär weiterentwickelt, so geschehen Weiterentwicklungen auf dem Konsolenmarkt revolutionär. Kauft man sich einen neuen Spiele-PC, so bleiben in der Regel die Prozessorarchitektur, das Betriebssystem und die APIs zumindest abwärtskompabiel oder sind oftmals sogar identisch mit dem auf dem alten Spiele-PC verwendeten Gegenstück. Ganz anders bei den Konsolen. Hier ist keine der gerade genannten Komponenten vor radikalen Veränderungen sicher und meist hat die Nachfolgekonsole mit dem Vorgänger bis auf den Markennamen nicht mehr viel gemein und stellt, zumindest technisch betrachtet, eine völlig neue Plattform dar. Ist Abwärtskompatibilität für den Hersteller eine Priorität, so wird diese meist durch Softwareemulation oder die zusätzliche Integration der alten Hardware erreicht.
Bedingt durch diese radikalen Generationswechsel ist kein Spieler aus rationaler Sicht an einen Hersteller gebunden, nur weil er ihm einmal eine Konsole abgekauft hat. Mit jeder Generation entscheidet er sich für eine neue Plattform und jedes Mal kann er sich neu für oder gegen den Hersteller seiner letzten Konsole entscheiden. Bisher hat dieser Umstand auch immer dazu geführt, dass kein Konsolenhersteller den Markt mehr als zwei Generationen dominieren konnte. So wie für Nintendo das Ende der Marktdominanz mit dem Ende des SNES besiegelt wurde, ist es Sony in dieser Generation (vermutlich) ganz ähnlich ergangen. D.h., selbst wenn Microsoft zur Nummer 1 im Konsolenmarkt auffsteigen würde, könnten sie sich dieser Position wohl nie so sicher sein wie auf dem PC.
Und nicht nur auf dem Spielemarkt könnte das ganze für Microsoft womöglich noch bittere Folgen haben. Auch auf dem Betriebssystemmarkt hat sich Microsoft mit dieser Entscheidung eventuell ganz schön in den eigenen Fuß geschossen. Mit Vista hat Microsoft fast fünf Jahre später als Apple endlich einen 3D-beschleunigten Desktop eingeführt. Doch während bei Apple der alte Rechner nach dem Update plötzlich schneller lief, sollte man bei Microsoft besser gleich einen neuen anschaffen. Und auch sonst scheint Vista ja momentan bei den Kunden nicht der ganz große Renner zu sein. Gerade zu dieser Zeit arbeitet Microsoft nun daran, das Spieleargument, das bei Privatanwendern bisher noch deutlich für Windows als Betriebssystem gesprochen hat zu negieren.
Während Linux und Mac OS bis auf Einzelfälle schon lange alle sonstigen Anforderungen von Privatanwendern erfüllen können, versucht nun Microsoft im rechten Moment auch noch das letzte Argument gegen den Einsatz eines Macs oder eines Linux-PCs aus der Welt zu schaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass speziell die Spieler über mehr technisches Know How verfügen als der Durchschnittsanwender, gerne einmal etwas Neues ausprobieren und dadurch, dass sie im Bekanntenkreis nicht selten zur Wartung nicht funktionierender PCs herangezogen werden durchaus auch als Multiplikatoren fungieren.
Der Wettbewerb bei Betriebssystemen und Spielen dürfte davon jedenfalls profitieren. Und obwohl ich bei Microsofts Einstieg in den Konsolenmarkt angesichts dieser enormen Marktmacht noch arge Bedenken hatte, ist es rückblickend das Beste was hätte passieren können.
Danke, Microsoft!




Das hat aber auch etwas gutes vielleicht werden einige Spiele Hersteller auf Mac umsteigen;-)