
"Großer Hype, nicht viel dahinter!": So könnte man GTA IV recht treffend beschreiben. Zwar gab es durchaus ein paar Innovationen zu bewundern, insgesamt wurde aber die Spielwelt so drastisch verkleinert, dass ich es mittlerweile nur noch als geschrumpfte Version von San Andreas mit besserer Grafik in Erinnerung habe. Ich habe das Thema schon ausführlicher behandelt und möchte hier nicht alles wiederholen. Letztlich habe ich bei GTA IV aber nur die Hauptstory abgeklappert (von deren Ende ich recht enttäuscht war) und da ich all die kleinen Zusatzaufgaben in GTA-Spielen, die letztlich zu einem 100%-Savegame führen, schon immer langweiliger fand als jeden Frühjahrsputz hat das Spiel dann auch ganz schnell seinen Weg zu all den anderen durchgezockten Spielen gefunden.
Ganz anders ergeht es mir momentan mit Oblivion. Mit der Elder Scrolls-Reihe hatte ich bisher leider so gut wie keinen Kontakt und habe mich dem ganzen trotz der doch recht beachtlichen medialen Präsenz des neusten Teils sehr lange entzogen. Was für ein Fehler! Da habe ich über Monate hinweg auf das nicht sonderlich berauschende GTA IV gewartet und dabei hätte ich mir mit Oblivion lange vorher ein Spiel kaufen können, das vieles von dem bietet, was ich bei GTA IV schmerzlich vermisst habe. Da wäre z.B. die Freiheit in der Spielwelt beinahe alles tun zu können. Bei GTA kann ich dagegen von Freiheit schon lange nichts mehr spüren. Zu viele Personen, mit denen man nicht reden kann, zu viele Gebäude, die nichts als Kulisse sind und viel zu viel Spielzeit, die mit gähnend langweiligen Nebenquests wie dem Auffinden von 100 versteckten und über die ganze Stadt verteilten Päckchen überbrückt werden soll.
In Oblivion dagegen kann man jedes Gebäude betreten, mit jeder Person reden und es gibt so viele Nebenquests, die wirklich Spaß machen und oft auch eine eigene Geschichte erzählen, dass ich schon für Tage das eigentliche Hauptquest völlig vernachlässigt habe und garnicht mehr wusste, wo es weiter geht! Und das war mir auch völlig egal. Zu interessant waren all die anderen Aufgaben, die man sonst noch so erledigen kann. Dabei bin ich normal nicht der Spielertyp, der Nebenquests und andere Nebentätigkeiten in Spielen besonders unterhaltsam findet. In den meisten Spielen merke ich noch nicht einmal, dass sie überhaupt existieren, da ich nur auf die Haupt-Story fixiert bin. Habe ich diese einmal geschafft, lege ich das Spiel meist ganz schnell wieder weg und wende mich dem nächsten zu. Oblivion ist wohl das erste Spiel, in dem ich wirklich Spaß daran habe einfach nur ziellos die riesige Spielwelt zu erkunden und Nebenquests zu lösen. Im Vergleich zu Oblivion fühlt sich GTA IV so linear an wie ein Side-Scroller aus den 80ern.
Natürlich spielen beide Spiele in zwei völlig verschiedenen Welten, dennoch gibt es auch abgesehen vom Prinzip des Sandbox-Gamings weitere große Gemeinsamkeiten. So kann man auch in Oblivion wählen, ob man sein Geld lieber mit illegalen Beschäftigungen wie Diebstahl und Auftragsmorden, oder doch lieber als ehrlicher Alchemist, Magier oder Kämpfer verdienen möchte. Und wie in früheren GTA-Spielen kann man in Oblivion mit seinem Geld tatsächlich etwas anfangen und neben Waffen und Ausrüstung auch Gebäude in allen Städten kaufen und in Geschäfte einsteigen.
Das beste an Oblivion ist aber, dass ich auch nach beinahe drei Wochen noch lange nicht durch bin. So gibt es wohl noch unzählige Nebenquests, die ich nicht erledigt habe, Höhlen, die ich nicht erforscht habe und Geschichten, die ich noch nicht gehört habe. Und ich freue mich, das nachzuholen!


