Metroid ist in Europa 1987 für das NES erschienen und legte den Grundstein für die überaus erfolgreiche Metroid-Reihe. Da das Spiel seit dem 20. Juli auch für die Virtuelle Konsole der Wii verfügbar ist, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir diesen Klassiker einmal genauer angeschaut. Wie bei den Spielen der damaligen Zeit üblich, wurde die Story extrem knapp gehalten. Der Spieler übernimmt die Rolle der interstellaren Kopfgeldjägerin Samus Aran, die im Auftrag der Galaktischen Föderation das Hauptquartier der Weltraumpiraten auf dem Planeten Zebes infiltrieren soll. Diese haben eine kaum erforschte und hoch gefährliche Lebensform namens Metroid vom Planeten SR388 entwendet. Samus wird ausgesandt, um Mother Brain - die Anführerin der Weltraumpiraten - zu eliminieren und so zu verhindern, dass die Weltraumpiraten die Metroids als biologische Waffe einsetzen.Auf dem Planeten Zebes erwartet den Spieler ein Labyrinth aus horizontalen und vertikalen Schächten. Dieses Labyrinth ist in die Bereiche Brinstar, Norfair, Kraids Versteck, Ridleys Versteck und Tourian unterteilt, die durch Aufzüge miteinander verbunden sind. Eigentlich genügt es, sich nach Tourian zu begeben und Mother Brain zu besiegen, um das Spiel zu beenden. Natürlich ist es aber nicht ganz so einfach. Der Zugang nach Tourian ist anfangs versperrt. An diesem Zugang befindet sich je eine Statue der Bosse Kraid und Ripley. Diese Statuen müssen aktiviert werden, indem man beide Bosse besiegt. Erst dann ist der Weg zu Mother Brain frei.
Da Samus anfangs sehr schwach ist und keinerlei Spezialfähigkeiten besitzt, muss man erst einmal einige der teils gut versteckten Items finden. Durch diese werden einerseits Samus Fähigkeiten im Kampf verbessert und andererseits wird sie durch einige dieser Items in die Lage versetzt bestimmte Hindernisse zu überwinden, wodurch große Bereiche von Zebes überhaupt erst zugänglich werden.Hier liegen auch die gößten Stärken von Metroid. Das Spiel lässt den Spieler die ganze Spielwelt relativ frei erkunden und schreibt ihm keine strikte Reihenfolge vor, in der er die einzelnen Items erlangen muss. Genau so wenig schreibt es ihm die Reihenfolge vor, in der die Bosse Kraid und Ridley zu besiegen sind. Der große Reiz des Spiels liegt - wie bei den anderen Metroid-Spielen auch - darin, den gesamten Planeten auf eigene Faust zu erkunden und einer feindlich gesinnten Umwelt nach und nach sämtliche Items und Geheimnisse abzutrotzen. Durch dieses ständige Upgrade mit neuen Items wird der Spielcharacter mit der Zeit immer stärker und nach einer gewissen Zeit kann man auch zuvor gefürchtete Gegner mit Leichtigkeit besiegen. Anders als bei einem RPG geschieht dies aber nicht durch stupides und beständiges Niedermetzeln ganzer Gegnerhorden, sondern durch das wesentlich interessantere Entdecken neuer Item-Verstecke.
Ansonsten kann an diesem Spiel vor allem die Musik überzeugen. Trotz des recht einfachen Sound-Chips des NES ist es den Entwicklern schon damals gelungen ein Gefühl der Einsamkeit zu vermitteln, wie man es auch von neueren Metroid-Spielen gewohnt ist.
Leider hat Metroid - insbesondere aus heutiger Sicht - auch ein paar gravierende Schwächen. Das größte Problem ist ohne Zweifel die fehlende Karte. Während eine Karte, die mit der fortschreitenden Erforschung der Spielwelt automatisch aktualisiert wird, aus den neueren Metroid-Titeln überhaupt nicht mehr wegzudenken ist, muss man im allerersten Teil der Reihe ganz darauf verzichten. Noch dazu ist das Leveldesign an manchen Stellen etwas zu monoton geraten. Vermutlich wollte man so Speicherplatz sparen. Die Orientierung wird dadurch aber auf jeden Fall auch nicht einfacher. Sofern man nicht über einen ausgeprägten Orientierungssinn verfügt, kann das dann schnell im Frust enden. Natürlich kann man hier mit Karten aus dem Internet Abhilfe schaffen. Diese haben aber auch den Nachteil, dass dort alle Items und Bosse bereits eingezeichnet sind, so dass man selbst nicht mehr besonders viel erforschen muss und und das Spiel viel von seinem Reiz verliert.
Ein weiteres Manko ist das Passwortsystem. Zusammen mit Zelda gehört Metroid zu den ersten Konsolenspielen, die man nicht mehr ohne weiteres an einem Tag durchspielen kann. Während dieses Problem bei Zelda mit einem Batterie-gepufferten Speicher gelöst wurde, kommt bei Metroid stattdessen ein Passwortsystem zum Einsatz. Zwar speichert die Wii automatisch den aktuellen Zustand des Spiel, allerdings bin ich auch einmal an einer Stelle stecken geblieben, so dass ich das Spiel wieder von vorne beginnen musste. Das war notwendig, weil man das Passwort nur angezeigt bekommt, nachdem man gestorben ist. Blöd nur, wenn man stecken bleibt und keine Gegner in der Nähe sind, die einen töten können. Deshalb kann ich nur dazu raten, das Passwort bei Gelegenheit zu notieren oder am besten mit einer Digitalkamera vom Fernseher ab zu fotografieren.Als letzte Kritikpunkte bleiben noch das Fehlen von Aufladestationen und die fehlenden Item-Beschriftungen zu nennen. Während es in anderen Metroid-Spielen Räume gibt, in denen man Lebensenergie und Raketen wieder vollständig aufladen kann, bleibt einem in Metroid nichts anderes übrig, als Energie und Raketen durch das wiederholte Töten von Gegnern wieder aufzufüllen. Bei sechs Energie-Containern und mehr als 200 Raketen kann das eine Weile dauern. Auch die Identifizierung der Items würde deutlich leichter fallen, wenn beim Erhalt eines Items der Name angezeigt würde. So muss man sich jedesmal das Icon des Items merken und in der elektronischen Bedienungsanleitung nachschauen, um zu erfahren, was man da eigentlich gerade erhalten hat.
Mein Fazit
Trotz der angesprochenen Schwächen macht Metroid auch heute noch eine Menge Spaß. Speziell Metroid Fans, die sich von der etwas angestaubten Präsentation dieses NES-Klassikers nicht abschrecken lassen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Da für mich persönlich das technisch wesentlich bessere Super Metroid das erste Metroid-Spiel war, hat mich hier vor allem fasziniert einmal zu sehen, dass ein ähnlich geniales Spielerlebnis auch schon mit den begrenzten Ressourcen des NES möglich war. Leider ist das Spiel aber nicht gerade einsteigerfreundlich. Wer noch kein anderes 2D-Spiel der Metroid-Reihe gespielt hat, sollte deshalb erst einmal zu dem zugänglicheren und wesentlich moderneren Super Metroid greifen.


