Bereits beim verzögerten Europa-Start von Sonys neuster Wohnzimmer-Konsole wurde klar, dass Abwärtskompatibilität für Sony in dieser Generation - anders als noch bei der Playstation 2 - notfalls eben nur ein optionales Feature ist. Wurden in den ursprünglich in Japan und Nordamerika verkauften 20- und 60GB-Versionen der Playstation 3 noch sämtliche Chips der Vorgängerkonsole verbaut, so wurde in der gut vier Monate später in Europa erschienen 60GB-Version der Konsole bereits die sogenannte EmotionEngine (die CPU der PS2) entfernt und durch eine Software-Emulation ersetzt. Leider hatte dies zur Folge, dass auf dieser neuen Version der Konsole nicht mehr weit über 90, sondern nur noch bestenfalls 80 Prozent aller PS2-Spiele lauffähig waren.Als Grund für diese Änderung gab Sony notwendige Kosteneinsparungen der ohnehin stark subventionierten Konsole an und kündigte zugleich an, künfig auch im Rest der Welt nur noch diese neue Version mit abgespeckter PS2-Kompatibilität verkaufen zu wollen. Mittlerweile gibt es in Nordamerika nur noch die im Rest der Welt nicht erhältliche 80GB-Version der PS3 zu kaufen, bei der die EmotionEngine ebenfalls fehlt und emuliert werden muss. In Europa ist derweil sogar die 60GB-Version vom Markt verschwunden und der Käufer kann nur noch zur neuen 40GB-Version greifen, die ganz ohne PS2-Hardware auskommen muss und nicht einmal mehr per Software-Emulation zur PS2 kompatibel ist. Mittlerweile lässt Sony auch in Japan die ursprünglichen und noch mit der kompletten PS2-Hardware ausgestatteten 20- und 60GB-Versionen auslaufen, um sie durch die aus Europa bekannte 40GB-Version zu ersetzen.
Es sieht also ganz danach aus, als wäre bald nur noch in Nordamerika eine zu den Spielen der Vorgängerkonsole kompatible Version der Playstation 3 im Handel, und das auch nur mit Abstrichen. Und auch dort könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die 80GB-Version mit Software-Emulation einer gänzlich zur PS2 inkompatiblen Variante mit einer Festplatte unbekannter Größe weichen muss.
Nun kann man natürlich zu dem Schluss kommen, dass es nicht gut aussieht für all jene Spieler, die gerne einmal ihre alten PS2-Spiele hochskaliert und in neuer Pracht auf der PS3 geniesen wollten und sich noch keine ältere PS3 gesichert haben. Allerdings hat Sony durch die ständigen Modifikationen an der Playstation 3 wie z.B die Änderungen bei der Abwärtskompatibilität, den teilweise sogar parellelen Verkauf von Modellen mit unterschiedlicher Festplattenkapizität und nicht zuletzt natürlich der Wiedereinführung des Rumble-Controllers aber auch deutlich gemacht, dass selbst an der Spezifikation einer Konsole (fast) nichts endgültig ist.
In dieser Kolumne möchte ich deshalb nun darlegen, warum ich ein Comeback der Hardware-basierten PS2-Kompatibilität in einer zukünftigen Revision der Playstation 3 dennoch für nicht ganz unwahrscheinlich halte.
Sonys Hauptargument für die schrittweise Abschaffung der PS2-Kompatiblität, nämlich die Reduzierung der Produktionskosten, habe ich ja bereits genannt. In wie weit dies überhaupt einen nennenswerten Kostenvorteil gebracht hat und ob dieses Argument nicht eher vorgeschoben war ist auch heute noch nicht ganz klar. Sicher ist allerdings, dass die Produktionskosten der PS3, die mittlerweile seit über einem Jahr verkauft wird, mittlerweile deutlich gesunken sind. Neueste Berichte sprechen von einer Kostenreduktion von satten 50 Prozent. Somit dürfte Sony in schon in naher Zukunft auf die kostspielige Subvention der Konsole verzichten können. Da die Produktion einer Konsolen mit zunehmendem Alter immer günstiger wird, dürfte eine erneute Integration der PS2-Hardware schon bald auch ohne größere Mehrkosten möglich werden.
Ein anderes Argument, das von einem Sony-Verantwortlichen im Zuge der Einführung der 40GB-Version genannt wurde ist, dass man die Käufer der PS3 durch die Abschaffung der PS2-Kompatibilität dazu "animieren" will, mehr PS3-Spiele zu kaufen. Nicht ganz verwunderlich, schließlich werden die gerade am Anfang einer neuen Konsolengeneration horrenden Subventionskosten der Hardware mit Einnahmen aus den Spieleverkäufen gegenfinanziert. Aber nicht nur die Subventionskosten dürften für Sony schon bald ganz wegfallen, auch die Qualität der Spiele - wohl ein Hauptgrund für die Zurückhaltung vieler PS3-Besitzer - hat deutlich zugenommen. Und im Laufe dieses Jahres werden weitere wichtige Spiele erscheinen, von denen viele ihr Geld weit eher wert sind, als die meisten PS3-Spiele des vorherigen Jahres. Stimmt erst einmal die Qualität, so werden sich PS3-Spiele auch von alleine verkaufen und die PS2-Kompatilität muss den Verkäufen der PS3-Spiele nicht mehr unbedingt schaden.

Und natürlich hat Sony ja noch ein immer ein ganz großes Problem: Von der einst angestrebten Marktführerschaft ist man Lichtjahre entfernt und selbst der zweite Platz liegt bisher noch in weiter Ferne. Lediglich in Japan wird Sony seinen zweiten Platz so schnell nicht verlieren, denn dort spielt Microsofts XBox 360 praktisch keine Rolle. Während Sony in Europa schon gut aufholen konnte, scheint Nordamerika fest in der Hand der XBox zu sein. Zwar könnte BluRay, das den Formatkrieg ja nun schon mehr oder weniger für sich entschieden hat, hier noch einiges ändern. Allerdings stellt sich die Frage, ob das alleine reichen wird oder sich nicht doch die meisten Spieler mehr für Videospiele als für hochauflösende Filme interessieren. Und überhaupt hat Sony mit seinen ca. 120 Millionen verkauften Playstation 2 Konsolen noch einen ganz großen Trumpf in der Hand. Kann diese Konsole mit ihrer noch immer ungebrochenen Popularität doch nicht nur den Markt der Casual Gamer bedienen und so Nintendos Wii paroli bieten, sondern auch einen Einstieg in Sonys Konsolenwelt bieten; späteres Upgrade auf die Playstation 3 nicht ausgeschlossen. Aber solange die PS3 nicht uneingeschränkt PS2-Spiele abspielen kann gibt es für einen PS2-Spieler nicht wirklich mehr Gründe zu einer PS3 als zu einer XBox 360 zu greifen.



(Abwärtskompabilität ist auch einer der Punkte, die ich am Wii ziemlich hoch schätze^^.)