Gerade habe ich auf endoflevelboss.de einen sehr interessanten Artikel zur aktuellen Schwarzkopiererdebatte gelesen, in der ja auch schon die Zukunft des PCs als Spieleplattform in Frage gestellt wurde. Christian geht dabei unter anderem auf die vor Kurzem erfolgte Schließung der Iron Lore Studios und die enorm hohen Download-Zahlen ein, die PC-Spiele bei P2P-Sytemen wie Bittorrent erzielen.Iron Lore machte vor einer knappen Woche auf sich aufmerksam, weil die Firma als erster Spieleentwickler überhaupt illegale Kopien für das finanzielle Aus verantwortlich machte. Außerdem hatte Iron Lore in seinem Spiel Titan Quest einen Kopierschutz eingebaut, der bei illegalen Kopien an bestimmten Stellen im Spiel absichtlich einen Absturz herbeiführte. Damit sollte wohl das vollständige Cracken des Spiels möglichst verhindert werden. Tatsächlich hatte diese Maßnahme dann allerdings zu schlechter Presse und negativer Mundpropaganda geführt, da viele Spieler, die nicht für das Spiel bezahlt hatten, in Internet-Foren von diesen "Fehlern" berichteten.
Dass auf dem PC kopiert wird wie blöd lässt sich ja wohl nicht verleugnen. Aber liegt das wirklich nur an einer dämlichen Mehrheit von Spielern, die zu kurzfristig denken und sich auch gute Spiele, die ihr Geld mehr als wert sind, kopieren ohne daran zu denken, dass der Hersteller so wohl kein weiteres herausragendes Spiel wird entwickeln können? Oder ist nicht auch die Spieleindustrie zu einem großen Teil selbst mit Schuld an der Misäre? Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass die Spieleindustrie viele ihrer Kunden überhaupt erst zum illegalen Kopieren erzogen hat!
Wie ich dazu komme? Schon seit ich mein erstes PC-Spiel gespielt habe werden die Hardwareanforderungen mit jedem Spiel nach oben geschraubt. Das führt dann dazu, dass man mit jedem Spiel immer unzufriedener wird, da man die Grafikeinstellungen immer weiter herunterdrehen muss und auch die Framerate nicht besser wird. Sicher könnte man das ganze ignorieren, die Grafik nicht für so wichtig nehmen und einfach Spaß haben. Leider lief es zumindest bei mir nicht so und ich war leider mehr auf Hard- und Software fixiert als es mir lieb war. Es würde mich arg wundern, wenn es bei vielen anderen Spielern nicht ähnlich wäre. Irgendwann geht einem das ganze dann dermaßen auf die Nerven, dass man seinen Spiele-PC halt mal wieder aufrüstet. Und schon mit dem nächsten Spiel beginnt dieser Kreislauf von Neuem.
Da man nur zum Surfen und Arbeiten schon seit Jahren nicht mehr aufrüsten muss (Berufsgruppen mit besonders hohen Hardwareanforderungen mal ausgenommen) lassen sich diese Kosten auch nicht mehr so leicht verschleiern. Und wer gerade 1000 Euro für einen neuen Spiele-PC hingeblättert hat will (und kann) auch nicht unbedingt noch mehrere hundert Euro für die passenden Spiele ausgeben. "Warum auch", werden sich viele denken. Hat man wegen der Spielehersteller doch gerade sein Konto leergeräumt. "Wieviel Geld soll man wegen denen noch ausgeben?"
Wer da nur mal ein Spiel schwarz kopiert weil der neue Spiele-PC so teuer war wird sich schnell fragen, warum er schon wieder Geld ausgeben soll und bleibt vielleicht dabei. Ob es von Seiten der Industrie wirklich so klug ist diesen Hardware-Vernichtungskreislauf am Leben zu erhalten?
Und auch eine ganz andere und womöglich noch viel folgenreichere Wahrheit soll hier nicht verschwiegen werden: "Es ist einfacher und bequemer ein PC-Spiel zu kopieren als es zu kaufen!". Zumindest ist es meistens so. Und das ist zu einem guten Teil auch die Schuld der Hersteller. Ein Schwarzkopierer muss nicht zum nächsten Laden fahren und er muss sich auch nicht mit extrem nervigen Download-Diensten wie Steam herumschlagen. Und damit der Schwarzkopierer noch mehr Vorteile genießt als der ehrliche Käufer haben die Hersteller extra den Kopierschutz erfunden, der dem Schwarzkopierer dank diverser Cracker erspart bleibt, dem der ehrliche Käufer aber oft nur dadurch entkommen, indem er sich für sein legal erstandenes Spiel ebenfalls einen Crack installiert. Selbst durfte ich das mit dem furchtbar verbuggten Anno 1503 erleben, bei dem der Kopierschutz häufiger zu Abstürzen führte. Wie habe ich damals all diejenigen beneidet, die sich die 50 Euro einfach gespart und das Spiel aus einem P2P-Netz gezogen haben.
Und noch in einem anderen Punkt bieten PC-Spiele dem ehrlichen Käufer keinen ausreichenden Mehrwert. Kaufe ich ein Spiel und stelle fest, dass es auf meinem PC nicht vernünftig läuft, so kann ich es nicht einmal mehr zurückgeben. Ich könnte ja vorher eine illegale Kopie angefertigt haben. Und da wundert man sich dann, dass viele sich das Spiel gleich aus der Tauschbörse besorgen.
Seit ich nicht mehr auf dem PC zocke wundere ich mich nur noch, wieviele Spiele ich auf einmal ständig kaufe. Da Konsolen-Hardware günstiger ist und ich nicht damit rechnen muss, dass die sündhaft teure Spiele-Kiste vielleicht schon mit dem nächsten Blockbuster-Titel nur noch Schrottwert hat bleibt einfach mehr Geld für die Spiele übrig. Und während es beim PC oft einfacher ist das Spiel zu kopieren ist es bei einer Konsole in der Regel genau umgekehrt. Somit habe ich als ehrlicher Käufer also schon einmal einen großen Mehrwert. Sofern die PC-Spieleindustrie überleben möchte, sollte sie vielleicht auch wieder darüber nachdenken, ihren Kunden einen echten Mehrwert anzubieten.
Wie siehts mit euch aus? Habt ihr ähnliche oder vielleicht auch ganz andere Erfahrungen gemacht?




Klar sind manche Sachen ziemlich ärgerlich, ich spiel ja auch kaum noch PC-Spiele, aber mehr wegen der Zeit und so, aber trotz alldem finde ich es echt zum Ko****, dass jetzt schon Studios schliessen müssen, weil irgendwelche Idioten mal wieder irgendwas runterladen müssen, zumal gerade die meist genügend Power in ihren Maschinen haben...
Ich hab grad kurz auf piratebay nachgesehen und fand cod4, frontlines, assassins creed, crysis, juiced 2 ... das könnte man endlos fortsetzen!
Warum also noch irgendeinen Kopiercode oder ähnliches, wenn trotzdem jeder ComputerBildSpiele-Leser das Spiel im Netz finden kann?!
Die These mit dem Hochrüsten und dann kein Geld mehr haben halte ich allerdings schon für etwas gewagt. Wer so blöd ist (ich sag das jetzt bewußt, ich hab meinen Rechner auch letztes Jahr aufgerüstet) ein Heidengeld in die Rechneraufrüstung zu schicken, der hat auch genug Geld für Spiele. Wenn nicht: Kauft Euch eine Konsole, Ihr Wixxer
Andererseits: Stimmt schon, der Gedanke dahinter könnte genausogut sein "Mensch, die Spiele krieg ich doch eh alle umsonst, da kann ich auch ruhig ein bißchen mehr in meinen Rechner investieren."
Ich für meinen Teil hab aber in der Regel eher mal Geld für ein einzelnes Spiel als für einen kompletten Rechner übrig.