Schon lange wollte ich mir ein USB-Lenkrad für den PC und später dann für die Playstation zulegen. Als ich mich letztes Jahr mit dem
Driving Force Pro etwas näher befasst hatte, war meine Entscheidung auch fast schon gefallen. Zwar wollte ich eigentlich keine 120 Euro ausgeben, die für das Lenkrad zu dem Zeitpunkt fällig gewesen wären, allerdings hatten mich die technischen Daten dieses Zockgeräts dann doch überzeugt und da bei einem Lenkrad die Mechanik bei weitem wichtiger ist als die Elektronik, kauft man ohnehin ein vergleichsweise zukunftsfähiges Gerät. Somit ist gegen eine etwas größere Investition dann eigentlich auch nichts einzuwenden, wird man mit einem Lenkrad doch vermutlich viele Jahre und vielleicht sogar an mehreren Konsolengenerationen seinen Spaß haben.
Wie ich dann aber von dem großen Bruder des
Driving Force Pro, dem
G25 Racing Wheel erfahren hatte, war es erneut um mich geschehen und der Preis des angepeilten Lenkrads dann auch in der 200-Euro-Region angelangt.
"Wenn schon, denn schon", sagte ich mir! Obwohl sich die technischen Unterschiede zwischen den beiden Lenkrädern aus dem Hause
Logitech in Grenzen halten, sind Verarbeitung und Material des
G25 um mindestens eine Klasse edler als beim kleinen Bruder. Während das
Driving Force Pro wie praktisch alle Konkurrenzprodukte im Wesentlichen aus Kunststoff besteht und auch des teilweise auf das Aussehen von gebürstetem Metall getrimmte Äußere des Lenkrads nur auf billige Aufkleber zurückzuführen ist, kommen beim
G25 Edelstahl und echtes Leder zum Einsatz. Ende des Jahres konnte ich einfach nicht mehr widerstehen und habe mir das Lenkrad dann einfach als Belohnung für das Überstehen einer recht
stressigen Studienphase bei einem Versandhändler für ca. 200 Euro gekauft.
Mittlerweile besitze ich dieses Lenkrad schon seit mehreren Monaten und möchte nun hier von den Erfahrungen berichten, die ich in dieser Zeit damit sammeln konnte.
Überblick
Das
G25 besteht aus drei Teilen: Dem
Lenkrad selbst, der
Pedaleinheit und einer separaten
Schaltkulisse, die zusätzlich die wichtigsten Knöpfe des Playstation-Controllers besitzt.
Folgende Features zeichnen das
G25 besonders aus:
- Sehr viel Edelstahl und Leder statt billigem Plastik
- Maximaler Einschlag von 900° (zweieinhalb Umdrehungen)
- Zwei Schaltwippen am Lenkrad
- Separate Schaltkulisse mit wahlweise sequentieller Schaltung oder H-Schaltung mit 6 Gängen
- Starkes Force Feedback mit zwei Motoren
- Drei statt der üblichen zwei Pedale (Gas + Bremse + Kupplung)
- Bremsepedal ist deutlich schwergängiger als die beiden anderen Pedale
Aufbau
Wenn man die drei Teile des
G25 ausgepackt hat, muss man zuerst einmal die Schaltkulisse und die Pedaleinheit mit der Lenkradeinheit verbinden. Dazu besitzt jedes der beiden erstgenannten Teile ein Datenkabel, das nicht lösbar mit der jeweiligen Einheit verbunden ist. Am Ende jedes Datenkabels gibt es einen Stecker, den man an der Unterseite des Lenkrads einstecken muss. Um das Kabelchaos nicht ausarten zu lassen, gibt es an der Unterseite der Lenkradeinheit eine Führvorrichtung, mit deren Hilfe die Kabel aufgewickelt werden können. Da vom Lenkrad aber auch noch das USB- und das Stromkabel weg führen, gibt es insgesamt vier Kabel, die mit dem Lenkrad verbunden sind und trotz der Führvorrichtung schnell für Kabelsalat sorgen.
Wegen der verhältnismäßig vielen Kabel ist das
G25 nicht unbedingt ein Lenkrad, das man gerne mal schnell ab- und wo anders wieder aufbaut. Deshalb empfiehlt es sich auch, sich vor dem Kauf einen festen Platz zu suchen, an dem man es aufgebaut lassen kann. Muss man das Lenkrad doch einmal transportieren, so empfiehlt es sich die Datenkabel eingesteckt zu lassen und alle drei Teile zusammen in einer Kiste zu verstauen. So spart man sich mit der Verkabelung den nervigsten Teil des Aufbaus.
Sind alle Teile miteinander verbunden, so gilt es die Lenkrad- und die Schaltkulisse an einem Tisch zu montieren. Dazu gibt es am Lenkrad zwei und der Schaltkulisse drei integrierte Schraubklemmen, mit der beide Teile leicht am Tisch fixiert werden können. Problematisch wird dieses Unterfangen nur dann, wenn die Tischplatte zu dick ist oder sich in zu kleinem Abstand von der Tischplatte eine Verstrebung oder ähnliches befindet. Dann kann es sein, dass man sich einen anderen Platz suchen muss.
Was die Fixierung des Lenkrads mit den eingebauten Vorrichtungen angeht habe ich leider eher schlechte Erfahrungen gemacht. Beim Lenkrad selbst, noch mehr aber bei der Schaltkulisse, kann es in hektischen Spielsituationen schnell einmal passieren, dass man das Teil unbeabsichtigt vom Tisch reißt. Da die gerade beschriebenen schnell lösbaren Montagetechniken aber ohnehin keine hundert prozentige Stabilität gewährleisten können, hat Logitech allen drei Komponenten extra Schraubgewinde verpasst. Wer die Möglichkeit hat Löcher durch seinen Tisch zu bohren und nicht vor hat das Lenkrad in nächster Zeit wieder abzubauen, sollte sich unbedingt einmal überlegen, ob er nicht davon Gebrauch machen möchte. Wer sich zum Lenkrad noch einen Playseat leisten möchte hat das Problem natürlich nicht, denn dort muss das Lenkrad ohnehin angeschraubt werden.
Die Pedaleinheit wird einfach auf dem Boden platziert, je nach Bodenbelag ist sie unter Umständen aber ähnlich schwer zu fixieren wie die beiden anderen Teile. Dank eines ausklappbaren Teppichstoppers hält die Pedaleinheit auf Teppichboden bombenfest. Auf Parkettboden findet sie dagegen kaum Halt und rutscht während des Spiels leider sehr schnell davon, da hier nur sechs kleine Gummifüßchen für einen eher zweifelhaften Halt sorgen. Wer Parkettboden hat sollte die Pedaleinheit deshalb lieber auf ein kleines Stück Teppich oder eine andere rutschfeste Unterlage stellen.
Verarbeitung
An der Verarbeitung gibt es nichts groß auszusetzen. Lediglich für die Legende auf dem Schaltknauf hätte Logitech ruhig auch Metall oder ein anderes hochwertiges Material einsetzen können. Das verwendete Plastik wirkt hier unnötig billig.
Ansonsten sind bis auf die Knöpfe und das Steuerkreuz alle wichtigen Teile, mit denen man während des Spiels in Berührung kommt entweder aus Edelstahl oder aus Leder. Was die Verarbeitung und die verwendeten Materialien angeht, ist das
G25 jedem "Vollplastik-Lenkrad" haushoch überlegen. Und durch die hochwertigen Materialien sieht das
G25 sogar besser aus, wie so manches echte Lenkrad.
Spiele
Ich habe das Lenkrad in erster Linie mit
Gran Turismo 4 getestet, da es momentan mehr oder weniger das einzige Rennspiel ist, das ich regelmäßig spiele. Kurz hatte ich das Lenkrad auch mit
Burnout 3 und der PS3-Demo von
Burnout Paradise getestet. Bei ersterem habe ich aber relativ schnell die Lust verloren. Zwar hatte mir das Spiel früher sehr gut gefallen, aber nachdem ich längere Zeit
GT 4 mit dem
G25 gespielt hatte wollte ich mich an die völlig unrealistische Steuerung dieses Spiels nicht mehr gewöhnen. Wesentlich besser hat mir da die Demo von
Burnout Paradise gefallen. Die Lenkung mit dem
G25 machte hier deutlich mehr Spaß und fühlte sich wesentlich natürlicher an als im dritten Teil. Somit dürte sich also die Vollversion mit diesem Lenkrad sehr gut spielen lassen, auch sich wohl niemand ausschließlich für einen Arcade Racer ein solches Lenkrad zulegt. Für zwischendurch dürfte man aber auch mit dem
G25 seine Freude mit dem Spiel haben.
Außerdem hatte ich noch Gelegenheit das Lenkrad mit dem wesentlich interessanteren
Gran Turismo HD zu testen, worüber ich nachher noch etwas genauer berichten werde.
Gran Turismo 4
Das Lenkrad wird vom Spiel als
Driving Force Pro erkannt. Somit werden bis auf die 6-Gang-Schaltung alle Features des
G25 inkl. des maximalen Einschlags von 900° unterstützt. Als ich
Gran Turismo 4 zum ersten mal mit dem
G25 gespielt hatte kam das einer Offenbarung gleich. Das ganze Spiel fühlt sich gleich eine ganze Größenordnung realisitischer an. Als ehemaligem DualShock-Fahrer wurde mir mit einem mal bewusst, wie sich die Designer dieses Spiel vorgestellt hatten und wie es gespielt werden sollte.
Besonders realisitisch wird das Spielerlebnis durch den unterschiedlichen Widerstand der Pedale. Während Gas und Kupplung recht leichtgängig sind, muss man beim Bremspedal schon etwas kräftiger zutreten, um die gewünschte Reaktion zu erhalten - wie bei einem echten Auto eben. Die Pedale sind aus Edelstahl gefertigt und rein äußerlich von echten Pedalen nicht zu unterscheiden.
Aber wer die Vorzüge des
G25 genießen will, der muss auch etwas dafür tun! In den Kurven wird einem durch ein recht starkes Force Feedback sofort verdeutlicht, dass man sich nicht auf einer Spazierfahrt befindet und man kann fühlen, wo das Auto eigentlich hin will. Die zwei Force Feedback-Motoren sollte man nicht unterschätzen und leicht kann man nach ein paar Runden ins schwitzen kommen. Gerade am Anfang musste ich vor dem Spielen erst einmal die Heizung herunterdrehen, da es mir sonst zu heiß geworden wäre.
Allerdings will ich auch nicht verschweigen, dass die Umstellung vom Controller auf das
G25 für mich nicht unbedingt einfach war. Da ich es lange gewohnt war, das Auto durch das schnell wiederholte Antippen eines Analog-Sticks auf Kurs zu bringen habe ich eine ganze Zeit gebraucht, um ich an den enormen Einschlag des Lenkrads zu gewöhnen. Oft bin ich schon in einer Kurve zum stehen gekommen und habe mich nur gewundert, warum sich das Auto trotzt einer halben Lenkradumdrehung immer noch stur auf die Streckenbegrenzung zu bewegt. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und wer es besonders realistisch haben möchte, der muss sich eben an so etwas gewöhnen.
Gran Turismo HD
Glücklicherweise konnte ich das Lenkrad auch schon ein wenig mit
Gran Turismo HD testen und so einen ersten Eindruck von der nächsten
Gran Turismo-Generation erhaschen. Wie bei
GT 4, so muss man auch hier leider auf die 6-Gang-Schaltung verzichten. Ansonsten bin ich aber sehr froh, dass es problemlos an der PS3 funktioniert, hatte ich mir beim Kauf doch schon Sorgen gemacht, dass Aufgrund fehlerender PS3-Kompatibilität schon bald nutzlos sein könnte.
Das Spiel selbst funktioniert mit dem Lenkrad einwandfrei und es macht genauso viel Spaß wie mit
GT 4.
Beibt nur noch zu hoffen, dass Prologue dann auch endlich die 6-Gang-Schaltung unterstützt. Einen Split-Screen-Modus
besitzt es ja immerhin schon einmal.
Kompatibilität
Das
G25 wurde ursprünglich für den
PC und die
Playstation 2 konzipiert. Wie ich bereits mit Gran Turismo HD und der Demo von Burnout Paradise testen konnte, funktioniert es aber auch an der Playstation 3 tadellos. Wie sich durch eine Internet-Recherche schnell herausfinden lässt, funktioniert das Lenkrad leider nicht an der XBox 360. Vermutlich hat das etwas damit zu tun, dass Microsoft selbst Lenkräder herstellt, schließlich fährt das
G25 in einer ganz anderen Serie als Microsofts Konkurrenzprodukt und die Unterstützung eines neuen Lenkrads ließe sich durch einen kleinen Patch wohl mit Leichtigkeit realisieren. Besonders schade finde ich das, da die XBox 360 mittlerweile recht günstig ist und ich sehr gerne einmal
Forza 2 spielen würde. Aber bevor ich mir ein zweites und dazu noch unterlegenes Lenkrad kaufe oder gar wieder mit Controller fahre bleibe ich lieber bei
GT 4. Außerdem kommt bald
GT 5 Prologue und dann dauert es auch nicht mehr allzu lange, bis die Vollversion erscheint.
Auf der
Playstation 2 funktioniert das
G25 mit jedem Spiel, das auch ein anderes Logitech-Lenkrad unterstützt. Lediglich die 6-Gang-Schaltung wird nur von wenigen Spielen unterstützt. Wie bereits erwähnt muss man leider auch bei
Gran Turismo 4 auf dieses Feature verzichten.
Fazit
Gerade wenn ich bedenke, wieviel Geld ich schon für Grafikkarten und ähnlichen Firlefanz ausgegeben habe, der nach spätestens einem Jahr veraltet war, denke ich, dass das Geld für dieses Lenkrad für Spieler mit einer gewissen Rennsportbegeisterung sehr gut angelegt ist. Momentan ist es laut gängier Preisvergleichs-Webseiten auch schon ab 180 Euro zu haben, womit es im Vergleich zum empfohlenen Verkaufspreis von 300 Euro schon fast ein Schnäppchen ist.
Das einzige was meiner Meinung nach momentan gegen das
G25 spricht ist das kürzlich vorgestellte
Driving Force GT. Nach allem was ich bisher davon gehört habe kann es zwar nicht wirklich mit dem
G25 konkurrieren, allerdings könnte es durchaus sein, dass Logitech extra für
GT 5 auch eine überarbeitete Version des
G25 vorstellt. Natürlich ist das pure Spekulation. Momentan kann man wohl kein besseres Lenkrad kaufen und ich kann es jedem, der gerne realistische Rennspiele spielt nur empfehlen.
Gran Turismo möchte ich jedenfalls nie wieder ohne spielen.