Die beiden C64 hatte ich nicht etwa schon zur Hochzeit des C64 besessen, sondern stattdessen habe ich sie so ca. 2004 im Internet ersteigert, da ich mir zur eigentlichen Zeit des C64 immer einen gewünscht aber leider nie einen bekommen hatte.
Die größte Hürde beim Wiederaufbau des C64 war die richtige Einstellung des Fernsehers. Der C64 kann zwar über Antennenkabel an jeden Fernseher angeschlossen werden, allerdings werden Antennenkabel heute kaum noch verwendet und so war ich es gewohnt, dass sich ein an einen Fernseher angeschlossenes Gerät auf dem AV-Kanel meldet. So habe ich mich dann erstmal eine Weile gewundert, dass der C64 kein Bild zeigt und dachte schon er wäre kaputt. Glücklicherweise habe ich dann aber doch noch herausgefunden, dass man stattdessen am Fernseher einen Sendeplatz auf Kanal 36 einstellen muss, um das gewünschte Startbild zu erhalten. Also im Zweifelsfall und bei korrekt angeschlossenen und eingeschalteten C64 einfach mal den Sendersuchlauf starten
Wenn diese Hürde genommen ist und das Startbild des C64 auf dem Bildschirm erscheint, kam bei mir, wie bei wohl so ziemlich jedem anderen C64-Wiedereinsteiger, die berühmte Frage nach den Diskettenbefehlen auf. Der C64 lädt zwar beim Start ein Betriebssystem mit integriertem Basic-Interpreter aus einem ROM-Baustein, allerdings ist dieses äußerst spartanisch und wenn man irgendwas sinnvolles mit dem C64 anstellen möchte, so muss man fast unweigerlich irgendein Programm von Diskette laden. Dies geht wiederum nur mithilfe der relativ kryptischen Diskettenbefehle, die man in ein paar Jahren (oder Jahrzehnten) schon mal vergessen kann.
Also musste ich erst einmal die anschließend aufgeführten Diskettenbefehle wieder aus dem Internet kramen.
Diskettenbefehle
Verzeichnislisting von Diskette laden und anzeigen:
LOAD "$",8
LIST
Programm mit dem Namen PROGRAM von Diskette laden und ausführen:
LOAD "PROGRAM",8,1
RUN
Erstes Programm von Diskette laden und ausführen:
LOAD "*",8,1
RUN
Damit konnte ich es dann auch endlich los gehen und habe erst einmal die zahlreichen mit meinen C64 verstauten Disketten ausprobiert und dabei neben ein paar Spielen auch den ziemlich coolen Turbo Assembler gefunden. Neben dem Zocken von C64-Spielen kann ich mich so derzeit auch mit der Grafik-Programmierung des C64 beschäftigen.
Bevor man sich jetzt auf die eigene Diskettensammlung und die darauf gespeicherten Spiele stürzt oder sich im Internet einen C64 besorgt, sollte man aber eine Sache bedenken: Joysticks dürfen, anders als z.B. am Amiga, beim C64 nicht im Betrieb umgesteckt werden!!! Also immer den C64 ausschalten und erst dann die Joysticks ein-, aus- oder umstecken.
Das kann zwar manchmal trotzdem gut gehen, aber da die Joystick-Anschlüsse des C64 keine entsprechenden Sicherungsschaltungen besitzen, riskiert man mit jedem Umstecken, beliebige Chips im C64 zu brutzeln. Also immer erst ausschalten und sich unnötigen Ärger ersparen.
Schnelllader
Eine Sache, die am C64 für Frust sorgen kann, sind die extrem langen Ladezeiten des Floppy-Laufwerks. Dies liegt aber nicht daran, dass der C64 und das Laufwerk generell zu langsam wären. Stattdessen hat Commodore die Datenübertragung zwischen C64 und Floppy-Laufwerk völlig verpfuscht, weshalb schon zur Zeit des C64 unzählige Schnelllader auf den Markt kamen und zum Teil auch in Zeitschriften als Quellcode veröffentlicht wurden. Diese Schnelllader konnten dabei entweder in Software oder als Hardware-Erweiterung für den C64 realisiert werden. Hardware-Schnelllader wurden dabei meist als Erweiterungsmodule ausgeliefert, die einfach in den Erweiterungssteckplatz des C64 gesteckt wurden, manche erforderten aber auch den Umbau des Floppy-Laufwerks. Generell kann man sagen, dass die reinen Software-Lösungen den geringsten und die Hardware-Lösungen den größten Geschwindigkeitszuwachs brachten, wobei die Schnelllader, welche einen Umbau der Floppy erforderten am schnellsten waren.
Ich persönlich verwende eine Final Cartridge 3. Dieses Modul wird einfach in den C64 gesteckt und der Schnelllader ist dann automatisch aktiv, so dass ein LOAD-Befehl mit eingestecktem Modul etwa zehn mal so schnell ausgeführt wird wie von einem "nackten" C64.
Außerdem bietet dieses Modul noch zahlreiche andere Erweiterungen des C64, wie z.B. eine GUI, einen Maschinensprachen-Monitor für Programmierer oder die Vorbelegung der F-Tasten mit den wichtigsten C64-Befehlen.
Datentransfer
Mit der legalen Verfügbarkeit von Unmengen an C64-Software im Internet geht natürlich auch der Wunsch einher, diese irgendwie auf den C64 zu transferieren. Die einfachste Möglichkeit dafür bieten Transferkabel, die man im Internet bestellen oder selbst bauen kann. Sie erlauben die Verbindung des PC über den Parallelport mit dem 1541er Floppy-Laufwerk des C64, so dass mit spezieller PC-Software Diskettenimages aus dem Internet auf echte 5 1/4 Zoll Disketten geschrieben werden und anschließend am C64 verwendet werden können.
Solche Kabel können z.B. im X1541 Shop gekauft werden, wo auch die entsprechenden Bauanleitungen verlinkt sind.
Ich habe mir selbst einmal vor ca. 5 Jahren ein solches Kabel gebaut und damit etwas Software auf Disketten übertragen, heute möchte ich mich aber nicht mehr damit rumschlagen. Ist auch nicht nötig, denn es gibt heute deutlich modernere Lösungen, bei denen mit FAT formatierte SD-Karten mit bis zu 4 GB direkt im C64 ausgelesen werden können.
Es gibt mehrere Erweiterungsmodule, die den C64 in die Lage versetzen, SD-Karten einzulesen. Die beste aber auch teuerste ist die 1541 Ultimate. Der entscheidende Vorteil dieses Moduls besteht darin, dass es das Diskettenlaufwerk des C64 nahezu exakt emuliert und so beinahe jedes Programm direkt von SD-Karte gestartet werden kann. Andere Module sind teils deutlich billiger, haben aber oft Probleme mit den Laderoutinen von Spielen und Demos, weshalb man dann oft die Images mit dem C64 von SD-Karte noch auf Disketten schreiben muss, um die jeweiligen Programm tatsächlich ausführen zu können.
Dafür kostet eine 1541 Ultimate allerdings auch gleich mindestens 125 € ohne Versand. Dafür erhält man dann aber auch eine nahezu perfekte Emulation des 1541er Floppy-Laufwerks und zudem noch 32 MB Speichererweiterung, von denen bis zu 16 MB als REU (die original Speichererweiterung von Commodore) verwendet werden können. Außerdem emuliert das Modul populäre Erweiterungsmodule wie die Final Cartridge 3 und ihre wichtigsten Konkurrenten. Ein für Programmierer sehr interessantes Feature ist zudem die Möglichkeit, Turbo Assembler direkt von der 1541 Ultimate zu laden. Derzeit lade ich den Turbo Assembler von Diskette und das ist unheimlich nervig, da man ihn nach jedem Crash des gerade entwickelten Programms erneut laden muss, was zu ziemlich langen Turn-Around-Zeiten führt.
Ist man bereit noch etwas mehr zu investieren, so kann man für 160 € die Luxusvariante dieses Moduls kaufen, welches zusätzlich zu den genannten Features noch einen Netzwerkchip enthält, so dass man den C64 dann mit einem handelsüblichen Netzwerkkabel ans Heimnetz und letztlich auch ans Internet anschließen kann.
Einziges Manko neben dem Preis: Die Wartezeit beträgt derzeit mindestens 6 Wochen nach Zahlungseingang.
Nichts desto trotz werde ich mir demnächst so ein Teil zulegen, da ich lange verglichen habe was es so an Alternativen gibt und nichts gefunden habe, was an dieses Modul heran kommt.
Weiterführende Links
C64 bei Wikipedia
Das deutsche C64-Wiki
Das deutsche C64-Forum
1541 Ultimate




